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David Sedaris: Nackt. Dt.: Rowohlt 2000 

01.

David Sedaris: Nackt.
(Orig.: Naked. 1997: Little, Brwon & Comp., NY,(NY), USA.)
Dt.: 8. Aufl. 2000: München, Zürich: Diana TB. (H. Rowohlt, Übers.)

Nackt bezieht sich weniger auf die unbekümmert- primitive (Original-) Sprache des Autors als auf die letzte der 17 Episoden dieser 348 1/2 Seiten. Erst in der Übersetzung allerdings wird diese (Sprach-) Welt originell und feinfühlend nachempfunden - prima vista vergleichbar mit den Übersetzungen Torbergs, die origineller, jiddischer, feinsinniger und witziger sind als die Englisch sprachigen Originale von Kishon - 
nein: doch kein Vergleich: Kishon ist intellektuell, zeigt Substanz und Selbstironie.
Bei Sedaris ist es eine locker perseverierendende, artistisch sein wollende, "slangishe" Sprache, die zu Beginn originell und witzig, am Ende abgenutzt wirkt. Das "Originelle" daran entspringt der Übersetzung, die gekonnt mit Sprach-Klischees und Kaugummi-Attitüden einer auf Locker tuenden Ami-Persiflage spielt. Vermutlich deshalb, weil wir hier im Good Old Europe das eben genau so sehen und hören wollen.
Diese Amis sind nun einmal ein bisserl dumm, infantil, naiv, rosarot-himmelblau und hinterhältig. - Oder?

Wenn der Protagonist von seiner Welt redet, ist man versucht, Dave tatsächlich auto-biografisch zu erleben, als Einen, der sein Schwulsein manieristisch zelebriert, von ersten Andeutungen bis zum kokett-logischen Outing. Sei's drum: Was anfangs humorig-flott amüsiert, verkommt im Kern der "Titelgeschichte" selbst zum leicht hysterischen Nachreden gängiger Klischees, diesmal über die ewig Alten und Schmerbäuchigen, Ruderleiberlbehängten, zugleich schamlos Unterhosenlosen, die sich in einem fast obszön reglementierten Nacktkult immer sinnlos-gleichen Ritualen hingeben.
Nackt ist deshalb für natürlich Nackte (Naturverbundene) keineswegs so sensationell wie möglicher Weise für zahlreiche Voyeur- und KlischeeistInnen, die eben wieder einmal nur das lesen wollen, was sie selber ohne viel Recherche von der Sache denken: Nackt bietet vielfache Bestätigung im Reagenzglasmilieu
der meisten, un-geouteten, Möchtegerne.
Diese Taschenbuch-Ausgabe ist leider schlecht lektoriert und zeigt zahlreiche Tipp- und Grammatikfehler.

 

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