Manfred Scheuch: Nackt. Kulturgeschichte eines Tabus. 1. Aufl. 2004: Wien: Christian Brandstätter Verlag. Nackt beschreibt auf sachliche, wenngleich deutlich zustimmende Art den Übergang von einem "blockierten" zu einem freien, naturgemäßen Körperbild zwischen dem 19. und 21. (europäischen) Jahrhundert. Mit wohlwollendem Humor und großer Gründlichkeit beleuchtet der Autor, selbst Journalist, die Übergänge zwischen badenden Riesenhut-Trägerinnen mit raunzig dreinblickendem Kind und in nacktem Protest rennenden StudentInnen einerseits, und dem Spiegel einer, so Scheuch: "vom Kleiderzwang befreiter Körper-Kultur" sowie der immer stark sexualisierten Nackt-Werbung in Bild und Film andererseits. Im Spannungsfeld künstlich errichteter Missverständnisse rund um Unbekleidetsein und Sexualität, zwischen den Polen "Kulturtat" des nicht sexuellen Seins in einer sexualisierten, auf triebhafte Reaktionen ausgerichteten (Wirtschafts- und Freizeit-) Gesellschaft betritt Scheuch in Text und Bild mit angenehm kleinen Schritten das schwierige Terrain einer sachlich gewiss ausnehmend gründlich recherchierten Dokumentation der erstaunlich zahlreichen - historischen - nackten (Sub-) Kultur(en). Bekannte und weniger bekannte Zitate großer "Dichterfürsten" wie "kleiner Leute", Ausgrabungen aus Bildarchiven entlarven Stück für Stück patriarchale Denkweisen, auf welchen VertreterInnen von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft ihre Macht-Gespinste bis heute gründen: In deren Entlarvung liegt Hoffnung. 39 Kapitel mit 210 Abbildungen auf 256 Seiten, gebunden, auf Hochglanzpapier, ausführliche Quellenangaben zu Texten und Bildern, machen dieses Buch zu einem Standardwerk für Nackte und Tolerante, wohl auch für Solche, die das gerne noch werden wollen. Für die Vorstellung wurde das Buch von uns "entkleidet". Der Schutzeinband ist schwarz und hat ein Loch, wodurch man auf ein nacktes Detail des Einbands blicken kann - Widerspruch? Gesellschafts-Spiegel? | |