Hamburg: Hoffmann und Campe, 2. Aufl. 2008.
Den erstaunlichen Wurf von Julia Friedrichs habe ich bestellt, bevor er noch
in Österreich lieferbar war,
habe den erfrischenden Text mit einem Mischgefühl aus Begeisterung und wachsender Besorgnis
gelesen,
dennoch an vielen Stellen, die meinen eigenen Erfahrungshorizont berührten, herzlich
gelacht
und das Buch daraufhin in einer meiner Vorlesungen thematisiert.
Erfreulich ist, dass es in einem enger werdenden, exzessiv kontrollierenden, wirtschaftspolitischen Machtsystem
noch möglich ist einen öffentlichen Blick auf diskrete Rituale und
elitäre Zeichengebung derer zu werfen,
die längst eine über Generationen abgeschlossene Kaste der erfolgreich Vernetzten,
vernetzt-Erfolgreichen
gebildet haben; aufzuklären, was evident, aber bisher kaum durch Material belegbar war.
Dieses Buch wird - was erstaunt - nur halbherzig bekämpft, auch nicht ignoriert, sondern gelesen:
ein Sonderfall glücklicher Wort- und Stilwahl.
Frau Friedrichs' fundierte, engagierte Recherche halte ich für eine
Voraussetzung zum Verständnis
solcher, sich ausbreitender, auch immer öfter korrupter, zunehmend
hermetischer, Parallelgesellschaften.
Basis einer gesellschaftlichen Fehlhaltung (der Abkehr von sozialer
Durchlässigkeit zu exklusiven Gunsten
der je eigenen, gegenüber der Mehrheit geheim gehaltenen, Interessen) ist
allerdings eine Grundeinstellung.
Diese wird vermutlich sehr früh beim Säugling vorgenommen, indem sie fundamentale Abhängigkeiten
fixiert:
Manifeste Sätze wie "weil ich es sage" werden internalisiert und stehen
hernach einigermaßen freien
Entscheidungen oder bloßen
Willensäußerungen dadurch entgegen, dass alternatives, sozial kompetentes
Denken und Handeln für "untersagt" oder zumindest
"unschicklich" oder einer "Karriere" abträglich gilt.
Das Selbst wird über "Erfolg" definiert, und - in Abwehr der
logischen Existenzangst - kein Misserfolg
geduldet, bzw. gemeinsamer Erfolg nur im Rahmen des vordefinierten
gesellschaftlichen Substrats
(der eigenen Kaste). Große Karrieren entfalten sich eher bei jenen, die sich über
"Leistung" und das
"Haben" -
nicht über ihr "Sein" - definieren und daher in Beziehungen Macht
als Surrogat für zugewandte Befriedigung
suchen.
Es wäre hoch an der Zeit, Menschen im kreativen, sozialen
"Sein" - im Mensch-, nicht im kurzfristigen
Erfolgreichsein auf Risiko und Kosten Anderer - auszubilden.
Der Verlag ist für die Verbreitung dieses Textes zu würdigen. |

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