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| Keine Frage: Der Tipp für Naturverbundene ist und bleibt Michaels Naturistencamp in den Hügeln über Bad Godesberg. Seit sieben Jahren findet sich hier zwischen Mitte Juli und Mitte August ein buntes, internationales Völkchen ein, Camperinnen und Camper, die ohne Gewand einfach lieber leben, ohne Gewand lieber kochen, schlafen, wandern, ratschen, ja sogar reiten. Michael, im Dorf als "Paradiesvogel" allseits bekannt und von seinen Freunden - darf man das sagen? - geliebt, bereitet eine seiner elf Weiden liebevoll für diese Treffen vor. Einige Unentwegte helfen ihm ebenso liebevoll dabei, denn das ist eine Aufgabe, die ein gelernter Sprachlehrer, Volksbildner, Pferdeliebhaber nicht ein Mal als Turbo-Naturist wirklich alleine bewältigen kann. Einer tauscht in aller Stille den geborstenen Stiel eines Spatens aus, ein anderer tüftelt genial an der Stromversorgung, jemand legt im Plumpsklo Fliesen oder installiert eine historische Kette mit Porzellangriff, die digitales Rauschen erzeugt: Fließwasser gibt's trotzdem: aus dem Hydranten, aus der Regentonne, oder unten im Rhein. Manchmal findet unter regelrecht bürokratischen Vorzeichen, dann aber um so lustvoller, Dionysisches Balgen statt, ein andermal darf man die Pferde reiten: die abgeklärte Fanny, den freundlichen Hercules oder - mit etwas Mut und Geschick - Dario, den onkelhaft-herrischen Riesen, der aber demnächst zum Schmied wechseln und gegen die weniger ungestüme Paola eingetauscht werden soll. Manchmal kommt jemand, der die Nackten mit Körperfarbe bemalt oder tanzt, dann wieder werden seltene Instrumente zum Vorschein gebracht, Traversflöte und Schalmei, viersaitige Ukulele, süditalienische Taschenmandoline und lanzarotenische Timple, sogar eine Drehleier steht im Schatten. Da wird gegrillt, geputzt, gesonnt, geklönt (getratscht) und wenn die Sonne zum Abschied vom Westen her gegenüber auf's Siebengebirge scheint, auch gesungen. Und in einer schönen Stunde soll ein erwachsner Mann aus purer Lebensfreude quer durch das Gras gehüpft sein. Unser schönstes Erlebnis heuer war wieder die Nacktwanderung. In zwei Autos brachen die auf, die nicht eben, Olivenöl glänzend, am Balgen waren, zum Teil saßen wir darin gleich nackt, zum Teil in selbst gemachten Wickelgewändern, um zu dem entlegenen Grenzgebiet zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu fahren, wo diesmal auch die Pferde, und weithin kein Kirchturm, Minarett oder gar Amtshaus standen. Nach der Fütterung und ein wenig Kopf stupsend-schnaubender Zwiesprache ging es durch den duftenden Wald über sanfte Hügel, an einem verträumten Gehöft vorbei - und das hätte endlos immer nur so weiter gehen können. Nackte Menschen zwischen den Bäumen, auf Wiesen, zwischen den Feldern, leise Gespräche: und alles ist einfach gut. Am Weg zurück begegnen wir einer fremden Welt: ein Fünfjähriger auf einem stinkenden Einzylinder-Miniatur-Moped, der den Asphaltweg rauf und runter rasen muss, und doch nicht fröhlich scheint. Dagegen wir: immer noch nackt, in Gedanken noch lang bei und in der Natur: Vielen unverständlich, und doch: wie Therapie. | . |
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